Van Adorp tot Zuurdijk

1945-1989

Die Grenze überwunden in einen Goggo

Der Freund und Geliebte meiner Mutter hat mir folgende Geschichte berichtet. Jene soll sich im Jahre 1968 ereignet haben.

Die Grenze überwunden in einen Goggo
Goggomobils op een treinwagon bij het hoofdstation van Groningen. - Foto: www.beeldbankgroningen.nl (1785-25653)

Damals hatte er gerade das 10. Lebensjahr erreicht. Sein Papa war als Maurermeister tätig und seine Mama hütete zusammen mit ihrer Mutter die fünf Kinder. Wohnhaft in Meppen, dass damals noch ein kleines Städtchen unweit der holländischen Grenze war, hatten sie sich in Eigenleistung ein kleines Haus gebaut. Dieses hatte unteranderen eine Ofenheizung, ein Plumpsklo, eine Waschküche mit Waschofen, einen Hühnerstall, zwei Kaninchen und sechs Katzen. Da es noch keiner Fernseher und kein Telefon gab, erzählte sein Papa abends am Ofen immer Geschichten.

Die ganze Atmosphäre soll urgemütlich gewesen sein. Tagsüber tobte er sich draußen mit seinen Geschwistern und den Nachbarkindern aus. Alles in altem verlebte er eine sehr schöne Kindheit.

Ein Traum erfüllen

Da man damals noch sein Geld sparte und das Kreditwesen noch nicht so ausgereift war, drehten seine Eltern auch jeden Penny um und sparten so viel sie könnten, um sich dann der Traum erfüllen zu können einen Goggo Coupé mit 250 cm und 13 PS zu kaufen. Sie waren keine reichen Leute, also reichte er vollkommen.

Ein Kaninchen für einen Baum

1968 war ein strenger Winter und der hohe Schnee ließ das fahren mit dem Goggo zu einem echtem Erlebnis werden. Am 20. Dezember musste der Familienvater aufgrund des langen und kalten Winter stempeln gehen, da er momentan arbeitsuntätig war. Zudem hatte die Familie noch keinen Weihnachtsbaum. Desweiteren war sein Vater ein Organisationstalent und da die Verwandtschaft in Emmen (Holland) einen Weihnachtsbaumhandel betrieb, bot es sich an dass er und sein Papa mit einem Kaninchen aus dem Stall im Gepäck mit dem Goggo nach Emmen fuhren.

Kurz vor der Grenze stellten sie den Goggo in einem Waldweg ab und machten sich zu Fuß über die Moorwege (schwarze Grenze) nach Emmen. Des Fußmarsch dauerte 2 Stunden. Bei den Verwandten angekommen durften sie sich dann endlich einen Baum aussuchen und als Bezahlung diente das Kaninchen. Sein Papa bekam einen Kaffee mit Gebäck und für ihn gab es heißen Kakao mit Gebäck.

Freudentränen

Nachdem sie den Kaninchen – Weihnachtsbaumhandel vollzogen hatten, machten sie sich wieder auf den Heimweg. Es wurde früh dunkel und sie mussten mit ihrem Weihnachtsbaum noch 2 Stunden laufen. Nach dem langen Fußmarsch fuhren sie mit dem Goggo noch weitere 2 Stunden über die verschneiten Wege nach Meppen zurück. Seine Familie zu Hause empfing uns mit Freudentränen, da wir einen wunderschönen Baum mitgebracht haben. An diesem Abend saßen alle ehrfürchtig vor dem Baum.

Goggo noch immer mobil

Lange Jahre nutzen sie den Goggo Täglich, bis der Vater im Winter 1986 verstarb. Daraufhin erbte seine Mutter ihn. Zwischenzeitlich hatte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht und war für das kleine und geliebte Fahrzeug verantwortlich. Natürlich bekam der Goggo eine Grundüberholung und wurde bis Dezember 2009 von seiner Mutter (Bj. 1926) für täglichen Bedarf genutzt. Jetzt wird der Goggo als fahrbarer Werbeträger für die Firma des Freundes meiner Mutter genutzt. Trotzdem ist er noch auf seine Mutter zugelassen. Wahrscheinlich ist Sie somit die Älteste Goggohalterin der Welt.